Geschichte

Erzählung über die Jahre  von 1960 – 70 im Kevelaerer Stadtbund

erzählt von Peter Breidenbach

Die Bezeichnung Stadtbund Kevelaer gibt es erst seit Januar 1961. Vorheriger Name seit Ende des 2. Weltkriegs. VEREINIGUNG DER KEVELAERER BRUDERSCHAFTEN.

Wer war Johann Baldeau?

Er war seit 1920 Mitglied in der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft, im Sprachgebrauch als: Seb, bezeichnet und dort insgesamt 35 Jahre im Vorstand tätig. Seit 1928 war auch Mitglied in der St. Antonius-Schützen-Gilde, im Sprachgebrauch als: Männ, bezeichnet und dort 15 Jahre Präsident. Beide Bruderschaften ernannten ihn zum Ehrenpräsidenten. Wie hoch sein Ansehen in den Kreisen der Bruderschaften war, lässt sich dadurch abschätzen, dass er von allen 5 Bruderschaften nach dem 2. Weltkrieg zum Vorsitzenden der VEREINIGUNG DER KEVELAERER BRUDERSCHAFTEN berufen wurde.

Januar 1960

Jan Baldeau trat zurück und wurde feierlich durch den Präsidenten der Hubertus, Gerhard Joosten, verabschiedet. Als Abschiedsgeschenk erhielt er ein von Franz van Betterey gefertigtes Bild mit den 5 Namenspatronen der angeschlossenen Bruderschaften, im Hintergrund die Stadt Kevelaer. Auf der gleichen Versammlung wurde Josef Schotten zum Vorsitzenden durch Handschlag vom Präsident Gerhard Joosten ernannt.

Juni 1960

Nach ½ jähriger Tätigkeit wurde der Vorstand der VEREINIGUNG DER KEVELAERER BRUDERSCHAFTEN komplementiert.

Vorsitz:                                               Josef Schotten, Seb

Schriftführer, stellv. Vorsitzender:    Johann Verrieth Männ

Kassierer:                                           Leo Cleven, Peterei

Schießwart:                                        Gerd Beckers, Hubertus

Beisitzer:                                             Theo Wilbers, Josef

26. Juni1960

Erste große Aufgabe stand ins Haus, die Schützenwallfahrt. Bei der Schützenwallfahrt 1954 waren 16.000 Schützen in Kevelaer, wenn 1960 nur die Hälfte kommen würden, hätten die Schützen alle Hände voll zu tun. Zu organisieren waren: – Besetzung von 2 Büro´s, am Bahnhof und am Heidelbergerfaß.

  • Schützen zur Verkehrsregelung, in Zusammenarbeit mit der Polizei.
  • Ca. 150 Schützen und Helferinnen zum Verkauf der Pilgerhefte und Wallfahrtsabzeichen.
  • Schützen zum Ehrendienst auf dem Kapellenplatz und im Marienpark.
  • Schützen um den Baldachin zu tragen.
  • Usw.

Die Wallfahrt war dank Josef Schotten vorzüglich organisiert. Das Wetter spielte mit, die Straßen waren geschmückt und Weihbischof Tenhumberg zelebrierte die Pontifikalmesse. Es hatten sich Tausende Schützen aus 6 Diözesen eingefunden.

Juli 1960

Max Janssen starb im Alter von 70 Jahren. Er war seit 1925 im Vorstand der geselligen Vereine und 35 Jahre Platzkommandant bei der gemeinsamen Kirmesfeier gewesen.

Oktober 1960 SCHIESSSTAND

Die ersten Gespräche zum Schießstand fanden statt. Die Anregung kam vom Zentralverband in Köln, da Kevelaer in den nächsten Jahren Austragungsort für ein Bundeskönigsschießen werden könnte. Präsident Johann Willems gibt Einzelheiten über Planung und Finanzierung bekannt Die VEREINIGUNG DER KEVELAER SCHÜTZENBRUDERSCHAFTEN UND GILDEN soll die Trägerschaft übernehmen und sich als e.V. eintragen lassen. Einstimmig wurde beschlossen die Pläne sobald wie möglich zu verwirklichen.

November 1960

Eine Großversammlung aller Mitglieder der Vereinigung fand statt. Ferner waren anwesend: Matthias Kleinmanns – Mitglied im Finanzausschuss des Zentralverbands in Köln und Willi Probst – Geschäftsführer des Kreissportbundes. Beide hielten lange Referate:

Kleinmanns:     Das Dekanat Kevelaer steht im Zentralverband an der Spitze in der Pflege des Schießsports. Der Verband würde das Bauvorhaben besonders befürworten. Für größere Schießveranstaltungen sind in Kevelaer genügend Möglichkeiten für Übernachtungen vorhanden. Auf die Frage zur Eigenleistung regte er an, ein Jahr lang einen Sonderbeitrag von den Mitglieder einzunehmen.

Probst,     wies unter anderem auf die finanzielle Seite hin. Es sei zu erwarten, dass das Land einen Zuschuss von 2/3 der Bausumme geben wird. Der Rest war durch Zuschüsse des Kreises und der Stadt, sowie durch Eigenleistung aufzubringen.

Johann Willems     berichtete davon, dass die Stadt die Bauplanung tatkräftig unterstützen würde. Gastwirt Gerd Scholten hätte sich bereit erklärt, das notwendige Baugrundstück für 99 Jahre zur Verfügung zu stellen.  Amtbaumeister Heinen hatte das Gelände bereits besichtigt.  Da 30 % aller Mitglieder Handwerker seien, stelle dies ideale Voraussetzungen dar. Alle Mitglieder gaben Ihre Zustimmung für das Bauvorhaben!

Januar 1961 Umbenennung

Als Anerkennung für ihre erfolgreiche Bewährung wurde der VEREINIGUNG DER KEVELAERER SCHÜTZENBRUDERSCHAFTEN, vom Zentralverband in Köln, die Genehmigung erteilt, die Bezeichnung:

„STADTBUND KEVELAER DER HISTORISCHEN DEUTSCHEN Schützen BRUDERSCHAFTEN E.V.“ zu führen.

Februar 1961

Die Satzungen wurden der Versammlung vorgelegt und diskutiert. Der Stadtbund ist eingetragener Verein und hat in den Satzungen den Zweck definiert, dass Zusammenleben aller dem Stadtbund angeschlossenen Bruderschaften und Gilden im Sinne des Leitsatzes, für „GLAUBE – SITTE –HEIMAT“ zufördern Mitglied einer dem Stadtbund angeschlossenen Bruderschaft kann jeder Mann nach Vollendung des 18. Lebensjahres – ohne christlich konfessionellen Unterschied werden, so er unbescholten ist und im Stadtbezirk Kevelaer wohnt. Die Satzungen fanden nach reger Aussprache Zustimmung.

Februar 1961

Die St. Josef Bruderschaft stellte einen Aufnahmeantrag. Präsident Theo Wilbers sagte, dass diese Bruderschaft rein kirchlich orientiert sei und den Anschluss an den Stadtbund aus ideellen Gründen wünschte. Der Schießstandbau stand bei allen Zusammenkünften des Stadtbundes im Vordergrund. Bei einer Versammlung wurde beschlossen Besichtigungsfahrten zu andern Schießständen zu unternehmen, Euskirchen – Lechenich – Kreuzweingarten usw.

September 1961

Am Bundeskönigsschießen in Coesfeld nahm eine große Abordnung des Stadtbundes teil.

Oktober 1961

Von offizieller Seite sprach man zum 1. Mal öffentlich vom Bundeskönigsschießen 1963 in Kevelaer.

Januar 1962

Antrag an die Geselligen Vereine, dass die dem Stadtbund angeschlossenen Bruderschaften und Gilden von diesem Jahr an im Festzug, bei der gemeinsamen Kirmesfeier, nicht mehr wie bisher einzeln, sondern als geschlossene Formation mitziehen. Bei der Abstimmung wurde Einigkeit erzielt.

29. März 1962

Gerd Beckers trat als Stadtbundschießmeister zurück, Nachfolger wurde Peter Breidenbach.

September 1962

Große Fahrt zum Bundeskönigsschießen nach Werl. Kevelaer ist 1983 Ausrichter des Bundeskönigsschießens.

Oktober 1962

Johann Baldeau ist gestorben. Willi Wälbers von der Sebastianus verunglückte mit dem Fahrrad auf der Fahrt zum Schießstand. Er wollte dort seinen Teil zum Bau der Schützenhalle beitragen.

1. Mai1963

Das erste Vogelschießen auf dem neuen Hochstand wurde durch die „MÄNN“ eröffnet.

Kosten Schießstand

Geplante Soll-Kosten:  Gesamtsumme 100.000,- DM
  Landesmittel 33.000,- DM
  Beihilfe Kreis Geldern 10.000,- DM
  Beihilfe Stadt Kevelaer 10.000,- DM
  Eigenleistung 47.000,- DM
Reale lst-Kosten: Gesamtkosten 118.000,- DM
  Eigenleistung 57.000,- DM

28.Sept.1963

Der Schießstand wurde durch Dechant Omen eingeweiht.

XI Bundeskönigsschießen vom 28. Sept. – 29.Sept.1963 Die Schirmherrschaft übernahm Arbeits- und Sozialminister des Landes Nordrhein- Westfalen, Konrad Grundmann. Die Pontifikalmesse auf dem Kapellenplatz wurde durch Hochwürden Primus Buddenbrock gehalten. Wetter: Samstag, 28. September einigermaßen trocken, Sonntag, 29. September total verregnet. Die Umzüge und die Messe wurden durchgeführt, Marienandacht und Fahnenschwenken im Marienpark wurde aufgrund des schlechten Wetter nicht abgehalten. Da nützte es nichts, dass alles bis ins kleinste organisiert war.

September 1964

Drei Busse fuhren nach Siegburg zum Bundeskönigsschießen.

Nachdem die Bundesstandarte ein Jahr lang im Sitzungssaal im Rathaus einen Ehrenplatz gehabt hatte, wurde sie durch Bürgermeister Peter Plümpe an den Bürgermeister von Siegburg übergeben.

Oktober 1964

Fritz Cleve, Präsident der Bürgerschützen- Gesellschaft und 1964 Festkettenträger verstarb im Alter von 59 Jahren.

Die Schießsportstätte findet starken Zuspruch. Der Terminplan ist immer voll. Es werden Wettbewerbe auf Bezirks-, Niederrhein- und Diözesanebene usw. abgehalten.

Februar 1967 Vorstandsneuwahlen

Vorsitzender:         Josef Schotten, Seb

Schriftführer:          Matthias Janssen, Männ

Kassierer:              Matthias Stammen, Peterei

Schießmeister:      Peter Breidenbach, Hubertus

Beisitzer:                Theo Gerrats, Josef

Juni1967

Erste Besichtigung der Schützenhalle auf Schäden. Die Schützenhalle wurde im Sommer an einigen Abenden an den Tanzkurs vermietet.

November 1967

Pfarrer im Ruhestand, Arnold Bauer verstarb mit 66 Jahren. Als Diözesanpräses gehörte er auch dem Präsidium des Bundes der historischen deutschen Schützenbruderschaft an. Er war Träger der höchsten Auszeichnung des Bundesvorstandes, der nur an die sieben Angehörigen des Bundesvorstandes verliehen wird. Der Orden kann nur neu verliehen werden, wenn ein bisheriger Träger verstirbt. Konrad Adenauer war ebenfalls Träger dieses Ordens.

Januar 1968

Die Jahreshauptversammlung des Stadtbundes fand statt. Josef Schotten dankte allen die dazu beigetragen hatten, dass die „roten Zahlen“ im Hypothekenkonto erstmals zu „Schwarzen“ geworden waren. Die Johannes- Bruderschaft stellte den Aufnahmeantrag in den Stadtbund. Per Handschlag wurde die Aufnahme zwischen Josef Schotten und dem Präsidenten der Johanniter, Alfred Sieben, besiegelt. Die Johannes ist 1968 festgebender Verein. Dechant Omen stellte an Hand eines Modells die Neuordnung im Altarraum der Marienbasilika vor.

Juni 1968

Dem Stadtbund wurden von einem Schützenbruder der nicht genannt werden möchte, zwei Fahnen gestiftet, die bei offiziellen Anlässen an der Schützenhalle gehisst werden sollen.

Januar 1969

Die Jahreshauptversammlung des Stadtbundes fand statt und Josef Schotten gab bekannt, dass er den Vorsitz im Stadtbund abgeben möchte. Er wurde von Hans Wehren gebeten, noch für die Dauer einer Legislaturperiode weiterzumachen. Neu in den Vorstand wurden Theo Hübbers, St. Johannes- Bruderschaft und Karl Daniels von der St. Josef- Bruderschaft gewählt.

Gerhard Joosten, sen. von der Hubertus- Gilde verstarb im Alter von 76 Jahren.

Juni1969

Die kommunale Neuordnung war das aktuelle Thema. Die Bruderschaften könnten, so schlägt Martin Pauli vor, ein gemeinsames Stadtbundkönigsschießen mit den Schützenvereinen der umliegenden Ortschaften abhalten.

März 1970

Polizeihauptkommissar Stevens starb. Die Schützen verloren einen großen Gönner und Freund. Bei der Herstellung des Schießstandes und den entsprechenden Besichtigungen, trat Herr Stevens eher kameradschaftlich, als dienstlich auf.

Mai 1970

Bundesköniginnentag in Kevelaer. Die Festansprache hielt Bischof Tenhumberg im Bühnenhaus.

September 1970 Fatima- Kongress

Ordnungsdienst und Verkehrsregelung wurden organisiert, es kamen 15.000 Gäste.

Januar 1971: Vorstandsneuwahlen

Vorsitzender:                     Josef Schotten Seb

Schriftführer:                       Mathias Janssen, Männ

Kassierer:                           Matthias Stammen, Peterei

Schießmeister:                  Johann Sieben, Johannes

Stellv. Schriftführer:           Theo Stassen, Hubertus

Stellv. Schießmeister:       Karl Daniels, Josef

Der Posten des Hausmeister wurde neu geschaffen und von Hubert Simmes, Peterei, erstmals besetzt.

November 1971

Es wurde beschlossen, den stillen Darlehnsgebern ihre Gelder zurück zu zahlen.

Franz Nellesen, St. Antonius-Schützen-Gilde 400,– DM.

Johann Willems, St. Sebastianus- Schützenbruderschaft 1.100,– DM.

Die Schießsportstätte war acht Jahre nach dem Bau schuldenfrei.

November 1971

Einer der populärsten Schützen, Josef Aengenheister, verstarb im Alter von 75 Jahren. Er war seit 1938 Präsident der Bürgerschützen. Seit 1963 war er deren Ehrenpräsident. 1951 war er Festkettenträger. Seit 1952 war er der 3. Präsident der Geselligen Vereine. 1. Präsident war Bürgermeister Matthias Marx. 2. Präsident war Arnold Diyx.

 

Schlusswort

Als Schlusswort sagte Peter Breidenbach, das der Stadtbund das gute Verhältnis zur Familie Scholten pflegen soll.

Er empfahl jedem, den es Interessiert, die Tagebücher von Josef Schotten, welche in der Bücherei hinterlegt sind, zu lesen. Man kann die Werke zwar nicht ausleihen, aber jeder kann sie einsehen.